Zweites «Wunder von Cordoba»?
publiziert: Sonntag, 15. Jun 2008 / 10:25 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 15. Jun 2008 / 10:50 Uhr

Die einen beschwören den Geist von damals, andere können die Sprüche vom «Wunder von Cordoba» schon jetzt nicht mehr hören. Österreich muss am Montag wie schon an der WM 1978 in Argentinien gegen Deutschland gewinnen -- und ist auf Schützenhilfe der Kroaten angewiesen.

«Ich versuche, dem Thema aus dem Weg zu gehen», distanziert sich Österreich-Trainer Hickersberger.
«Ich versuche, dem Thema aus dem Weg zu gehen», distanziert sich Österreich-Trainer Hickersberger.
Die österreichische Presse rechnete am Tag nach dem späten Ausgleich gegen Polen das Szenario aus, das ihr Team doch noch in den Viertelfinal von Basel bringen könnte.

Bei einem Sieg gegen Deutschland darf gleichzeitig Polen gegen das bereits als Gruppensieger feststehende Kroatien nicht höher gewinnen. Ist das Torverhältnis zwischen Polen und Österreich nach Siegen beider Mannschaften exakt gleich, spräche der in diesem Fall Ausschlag gebende UEFA-Koeffizent klar für Polen.

Der 21. Juni 1978

Vor 30 Jahren, an der WM in Argentinien, war die Ausgangslage nicht gleich brisant wie heuer. Am 21. Juni 1978 ging es den bereits ausgeschiedenen Österreichern gegen Deutschland nur noch darum, dem Erzrivalen den Einzug in den Final zu vermasseln.

Österreich mit dem derzeitigen Coach Josef Hickersberger im Mittelfeld hatte unter Trainer Helmut Senekowitsch seine Partien gegen Holland und Italien verloren. Die Aussagen der Deutschen, den Gegner hoch zu schlagen, sorgten im ÖFB-Lager für zusätzliche Motivation.

«Tooor, Tooor, Tooor! I wer´ narrisch!»

Einer der Hauptbeteiligten des «Wunders» -- oder je nach Sichtweise -- «der Schmach von Cordoba» war Hans Krankl.

Der Wiener Stürmer erzielte zwei Minuten vor Schluss mit seinem zweiten Tor das 3:2 zum ersten Sieg gegen Deutschland seit 47 Jahren, der legendäre ORF-Reporter Edi Finger machte sich mit seiner Aussage «Tooor, Tooor, Tooor! I wer´ narrisch!» unsterblich.

Mitte Mai 2008 wurde Krankls Doublette vom Schweizer Aktionskünstler Massimo Furlan aufgenommen, um das Geschehen im Wiener Hanappi-Stadion nochmals 1-zu-1 aufleben zu lassen.

Vor 2500 Zuschauern, unter ihnen auch deutsche Supporter, inszenierte er im Rahmen der Wiener Festwochen zur Volksbelustigung während 90 Minuten ohne Ball sämtliche Laufbewegungen und Gesten Krankls.

«Jetzt brauchen wir noch ein Cordoba!»

Die Konstellation an der EM 2008 veranlasste nun die «Kronenzeitung» stellvertretend für den Rest der Austria-Medienlandschaft dazu, in der Ausgabe vom Freitag den Titel «Jetzt brauchen wir noch ein Cordoba!» zu setzen.

ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig hatte davon aber schon unmittelbar nach dem 1:1 gegen Polen, das Präsident Friedrich Stickler nach eigenen Angaben «zehn Jahre seines Lebens gekostet hat», mehr als genug.

«Cordoba war 1978, das ist ein Leiberl für alte Herren. Der grösste Erfolg des ÖFB war 1954 der dritte WM-Platz. Dieses Kasperltheater um Cordoba ist so etwas von lächerlich», sagte der wichtige Verbandsfunktionär.

«Das wird strapaziert, hat aber mit dieser Mannschaft nichts zu tun. Mit Cordoba muss nach dieser EURO wirklich Schluss sein. Ich kann das alles nicht mehr hören und finde es nicht einmal als Werbegag lustig.»

Hickersbergers Schelte

Inhaltlich ähnliche Töne schlug Josef Hickersberger an. «Ich versuche, dem Thema aus dem Weg zu gehen. Und schliesslich bin es ja nicht ich, der immer diese Fragen stellt...»

Für Aufregung hatte vor dem Turnier eine andere Aussage des nach der EM abtretenden Coachs gesorgt, weil er Cordoba als Fluch und Auslöser einer langjährigen Krise im österreichischen Fussball bezeichnete.

An der gestrigen Pressekonferenz im Camp in Stegersbach zog er nach. «Ich bin der Meinung, dass Cordoba den damals massgeblichen Herren und Funktionären den Eindruck gab, man habe alle Jahrzehnte solche Talente wie Hans Krankl, Bruno Pezzey oder Herbert Prohaska. Aber man hat viel zu wenig in den Nachwuchs investiert», sagte Hickersberger.

«Seit fünf, sechs Jahren wird viel mehr dafür getan. Und das ist der wesentlich bessere Weg als vor 30 Jahren.»

(von Stefan Baumgartner/Si)

 
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