Blatter will den Videobeweis
publiziert: Sonntag, 29. Jun 2014 / 16:32 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 29. Jun 2014 / 16:59 Uhr
Sepp Blatter weiss es am besten: Es geht um viel Geld.
Sepp Blatter weiss es am besten: Es geht um viel Geld.

FIFA-Präsident Sepp Blatter fordert den Videobeweis. Die Torlinien-Technologie sei eingeführt, nun müsse man einen Schritt weiter gehen, so der Schweizer. Hinter seinem Vorstoss steckt auch sport-politisches Kalkül.

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Über diese Szenen diskutierte die halbe Welt: ein ungerechtfertigter Penalty für Brasilien, eine nicht gesehene (Biss-)Tätlichkeit des Uruguayers Luis Suarez, zu Unrecht aberkannte Tor von Bosnien und Mexiko, ein nicht gesehener Penalty für den Iran. FIFA-Präsident Sepp Blatter will solche Diskussionen nicht mehr.

Geht es nach dem Walliser sollen in Zukunft den Trainern per Videobeweis zwei Einspruchsmöglichkeiten pro Spiel gegen Schiedsrichter-Entscheide gewährt werden. Dies solle aber nur möglich sein, wenn das Spiel bereits unterbrochen sei, so Blatter in einem Interview, das auf der FIFA-Homepage aufgeschaltet wurde. «Wenn es darum geht, ob es ein Penalty oder kein Penalty war, innerhalb oder ausserhalb des Strafraums, ein Foul oder kein Foul, kann der Coach intervenieren.»

Der Schiedsrichter werde dann die Szene auf einem Monitor anhand der TV-Bilder beurteilen. Mit dieser Hilfe für die Referees solle es «mehr Gerechtigkeit» geben, erklärte Blatter. Damit lieferte der Walliser im Detail nach, was er bereits auf dem FIFA-Kongress in São Paulo vor rund drei Wochen angedeutet hatte. Der International Football Association Board (IFAB) wird sich bei seiner nächsten Jahressitzung am 28. Februar 2015 in Belfast dem Thema erneut annehmen müssen. Erst vor vier Monaten hatte sich der als konservativ geltende IFAB klar gegen den Videobeweis ausgesprochen. Nur die Frage «Tor oder kein Tor» soll dank der Technik geklärt werden können, so das damalige Statement der Regelhüter.

Die vielen falschen (oder zumindest diskutablen) Entscheide der Schiedsrichter an der WM haben den FIFA-Präsidenten also erneut dazu bewogen, der Technik die Tür zum Fussball (noch weiter) zu öffnen. Nach dem nicht gegebenen Tor des Engländers Frank Lampard im WM-Achtelfinal 2010 gegen Deutschland war die Torlinien-Technologie eingeführt worden, «jetzt müssen wir einen Schritt weiter gehen», so Blatter. Die Möglichkeit zu sogenannten «Challenges» gibt es in anderen Sportarten wie Tennis, Volleyball oder American Football. Im Rugby, Basketball und im Eishockey hat zudem der Schiedsrichter die Möglichkeit, strittige Szenen anhand von TV-Bildern zu beurteilen.

Hinter Blatters Vorstoss steckt womöglich aber nicht nur der Sinn für Gerechtigkeit und grösseren Schutz für die Schiedsrichter. Es dürfte auch sport-politisches Kalkül dahinterstecken. 2015 wählt der FIFA-Kongress den neuen (oder alten) FIFA-Präsidenten. Blatter will für eine weitere Amtszeit Präsident bleiben. Sich gegenüber neuen Technologien und der Weiterentwicklung des Fussballs aufgeschlossen zu zeigen, kann unter Umständen nicht schaden.

Dabei konnte Blatter auch noch einen kleinen Schlag gegen seinen mutmasslichen Konkurrenten im Wahl-Kampf, UEFA-Präsident Michel Platini, setzen. Dieser war immer ein grosser Gegner von technischen Hilfsmitteln gewesen, Platini war sogar gegen die Torlinien-Technologie. Jetzt verriet Blatter: «Ich habe mit UEFA-Präsident Michel Platini gesprochen, er hat mir gesagt, dass er die Torlinien-Technologie bei der EM 2016 einführen wird.» Kurz: Blatter hat auf seiner Bühne die Pläne von Platini offiziell gemacht.

(fest/Si)

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