Das Leben des Benjamin Huggel

publiziert: Dienstag, 1. Jun 2010 / 23:10 Uhr

Er verlangt Respekt und eine seriöse Auseinandersetzung mit seinem Job als Sportler. Diplomatie gehört nicht zur Kernkompetenz von ihm: Benjamin Huggel (32) ist kein Fussball-Dandy, aber ein Charakterkopf mit erfrischender Lust auf Kontroversen.

Benjamin Huggel im Dress des FC Basel.
Benjamin Huggel im Dress des FC Basel.
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Huggel hat zwölf erstklassige Monate hinter sich. Mit dem FCB gewann er das Double. In der Nationalmannschaft gehört er seit der Amtsübernahme von Hitzfeld zum absolut unbestrittenen Kern. Am Montag vor einer Woche wurde der Mittelfeldspieler zum besten Schweizer Internationalen gewählt. Die Ehrungen genoss er zwar, aber Huggel weiss: «Die Würde ist zugleich auch Bürde.»

Auf die Schultern klopfen lässt sich der erfolgreiche Basler nicht von jedem. Er ist auch nicht immer bester Laune. Das ist bei ihm nicht erfolgsabhängig. Huggel geht mit der gesteigerten Popularität ganz einfach vorsichtig um und freut sich lieber im privaten Rahmen. Er hat im Fussball-Business zu viel erlebt, um es nun plötzlich zu verklären.

Huggel ist kein Glamour-Boy

Seine undiplomatische Art passt nicht allen. Er denkt, die Zahl jener, «bei denen das nicht ankommt, ist eher grösser». Einen Imageberater wird er deswegen nie engagieren. «Mich beschäftigt das alles gar nicht allzu sehr.» Nur wenn die Diskussionen über ihn als Spieler auf der persönlichen Ebene stattfinden, «dann stört mich das schon und ist auch eine Frage des Stils».

Unqualifizierte Kritik löst bei Huggel ein extremes Unbehagen aus. Unsachlichen und schlecht vorbereiteten Journalisten begegnet er mit Gleichgültigkeit oder bissiger Ironie. Für die seichte Unterhaltungsstory will er sich gar nicht eignen. Huggel gehört zweifelsfrei nicht zur Glamour-Fraktion der Schweizer Equipe.

Ein Unbequemer wie Jens Lehmann gefällt ihm. Für die einen ist der ehemalige Nationalgoalie von Deutschland oft nur schwierig und negativ. Huggel nimmt ihn anders wahr: «Ich kann sehr gut nachvollziehen, was er sagt und denkt.» Er wünschte sich im profanen Sportgeschäft manchmal etwas mehr (fachlichen) Tiefgang oder Weitsicht.

«Ich habe dazugelernt»

Huggel ist keiner, der die Kameras und Mikrofone sucht. Er ist nicht auf Schlagzeilen angewiesen. Die Selbstbestätigung holt er sich anderswo. Abgerechnet wird auf dem Platz. Dort verlangt der bald 33-Jährige von sich selber viel. Auf dem Rasen gibt es keine Halbwahrheiten. Dort schliesst er Lücken und schiesst zugleich Tore. Hitzfeld hat ihn kürzlich als Kopf des FC Basel bezeichnet.

«Ich habe sicher dazugelernt und bin auch etwas in diese Rolle reingewachsen», findet Huggel selber. Das Lob der Fachleute freut ihn. Er hat die ihm übertragene Verantwortung angenommen -- in Basel und im Nationalteam. «Dazu braucht man aber immer einen Coach, der einem vertraut. Und als Spieler muss ich das dann umsetzen, sonst habe ich das Vertrauen nicht lange.»

Thorsten Fink und Hitzfeld sind Trainer mit einem speziellen Sinn für Spielertypen wie Huggel. Beide stammen aus der Bayern-Schule, beide haben im taktischen und physischen Bereich sehr hohe Ansprüche; die Organisation ist erstrangig. Man schätzt sich gegenseitig. Huggel mag ihre gewinnende Art. «Sie sind von ihrer Arbeit überzeugt.»

Die Skandalnacht von Istanbul

Das Kontrastprogramm hatte er zuvor während der Ära von Köbi Kuhn erlebt. An der missratenen EM im eigenen Land setzte Hitzfelds Vorgänger keine Sekunde auf ihn. Der Rücktritt aus dem Nationalteam war im Sommer 2008 vorübergehend ein Thema. «Aber letztlich wollte ich mir die Chance zu einem Neuanfang unter Hitzfeld nicht selber verbauen.»

Auch mit dem zweiten Turnier unter der Leitung Kuhns verbindet er keine angenehmen Erinnerungen. Huggel fehlte an der letzten WM gesperrt, weil er sich in der Istanbuler Skandalnacht von den Türken provozieren liess. «Das ist vorbei. Ich hätte damals wohl nie von Anfang an gespielt. Für mich ist es jetzt schön, weil ich auch in der Qualifikation eine wichtige Rolle gespielt habe. Deshalb betrachte ich meine WM-Teilnahme nicht als Genugtuung.»

«Es war ungerecht»

Die schweren Tumulte an jenem November-Abend 2005 hat Huggel nicht vergessen. «Aber es ist so, dass ich irgendwann lernen musste, mit den ausser meiner Sicht ungerechten Sachen, die passiert sind, zu leben.» Dass er sich damals von verschiedenen Seiten mehr Support gewünscht hätte, will er nicht mehr aufrollen. Das sei passé.

«Ich konnte nicht ewig an dieser Geschichte festhangen. Sonst hätte es keinen Weg mehr zurück zu Leistung und einem gefreuten Leben gegeben.» Verbitterung und Verdrossenheit haben in Huggels Denken keinen Platz. Deshalb mag er «über diese Sache gar nicht mehr sprechen». Aktuellere Kontroversen sind ihm lieber -- und denen weicht er auch nicht aus.

(Sven Schoch/Si)

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