EM-Titel liess auf sich warten

Die lange Durststrecke von Spanien

publiziert: Mittwoch, 23. Mai 2012 / 12:32 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 31. Mai 2012 / 16:42 Uhr
An der Euro 2008 klappte es dann für Spanien.
An der Euro 2008 klappte es dann für Spanien.

2008 beendete Spanien eine lange Zeit der Erfolglosigkeit. Fernando Torres schoss im Final gegen Deutschland das entscheidende Tor, David Villa wurde bester Skorer des Turniers, Xavi und Andres Iniesta lieferten die zauberhaften Pässe und Iker Casillas hielt den Kasten rein. Und der dritte Goalie? Er erinnerte subtil daran, wie lang und beschwerlich der Weg zum zweiten EM-Titel nach 1964 für Spanien gewesen war.

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Andres Palop spielte keine Minute während der EM in Österreich und der Schweiz. Die wenigsten Fussballfans ausserhalb von Spanien dürften überhaupt sein Gesicht erkannt haben, als der Goalie des FC Sevilla nach dem 1:0-Finalsieg gegen Deutschland zur Ehrentribüne hinauflief, wo der Pokal wartete. Er fiel nur auf, weil er ein grün-schwarzes Retroshirt trug. Einer der wenigen, die sowohl Spieler als auch Trikot zuordnen konnten, war UEFA-Präsident Michel Platini, der Palop mit einem breiten Lachen die Medaille um den Hals hängte.

Das Trikot, das Palop trug, gehörte einst Luis Arconada. Ende der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre galt er als einer der besten Goalies der Welt. 1981 und 1982 führte er die Real Sociedad aus San Sebastian zu den einzigen zwei Meistertiteln. Für Spanien lief er 68 Mal auf. Doch in Erinnerung bleibt in erster Linie ein missglückter Auftritt.

Arconadas Missgeschick

Am 27. Juni 1984, einen Tag nach seinem 30. Geburtstag, stand Arconada im EM-Final. Im Parc des Princes von Paris tat sich der Gastgeber und Titelfavorit Frankreich fast eine Stunde lang sehr schwer. Dann kam die für Arconada folgenschwere 57. Minute. Der Keeper liess einen für einmal harmlos getretenen Freistoss von Platini passieren. Der Ball rutschte ihm unter dem Bauch durch und rückte erst hinter der Torlinie wieder ins Blickfeld der Zuschauer.

Lange Zeit stand diese Szene sinnbildlich für das Versagen der spanischen Nationalmannschaft in den entscheidenden Momenten, für die Unfähigkeit, das grosse Potenzial umzusetzen. In Frankreich steht der Begriff «Arconada» für einen schweren Goaliefehler. Einen Arconada zu machen ist das Schlimmste, was einem Keeper passieren kann.

Zubizarreta mit ähnlichem Schicksal

Arconada wurde kurze Zeit nach dem Lapsus im spanischen Tor durch Antonio Zubizarreta, einen anderen Basken, ersetzt. Dieser bestritt 1998 seine letzte Endrunde und erlitt in Frankreich ein ähnliches Schicksal wie sein Vorgänger: Er verabschiedete sich im WM-Gruppenspiel gegen Nigeria (2:3) mit einem «Arconada». Er lenkte eine flache Hereingabe ins eigene Tor.

Am 28. Juni 2008, also fast genau 24 Jahre nach dem verlorenen Final gegen Frankreich, verfolgte Arconanda auf Einladung von Platini den EM-Final zwischen Spanien und Deutschland. Der heute 57-Jährige sah, wie Spanien in Wien den Fluch ablegte, dessen bekanntestes Opfer er selber war: «Es war eine Freude, dass Palop mit meinem Trikot einen Pokal entgegennahm, den ich selber nie gewinnen konnte.»

(bg/Si)

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