Fussball: UEFA-Cup

FC St. Gallen-Trainer Koller hat Sorgen

publiziert: Mittwoch, 19. Sep 2001 / 15:57 Uhr

St. Gallen - Der FC St. Gallen ist in der ersten UEFA-Cup-Runde gegen den 21-fachen rumänischen Meister und Cupsieger Steaua Bukarest Aussenseiter. Der ehemalige Armeeklub und Meistercupsieger von 1986 stellt eine aufsässige und kombinationsstarke Mannschaft mit zahlreichen erstklassigen Technikern, ist aber nicht frei von Sorgen.

Star-Stürmer Ion Vladoiu (33), einst beim 1. FC Köln und bei Kickers Offenbach und eben erst von einer siebenmonatigen Verletzungspause genesen, hat sich mit Trainer Victor Piturca überworfen, das Abschlusstraining in Bukarest verlassen und seinen Kasten im Trainingszentrum durch seine Frau räumen lassen. Vladoiu wird heute um 20 Uhr zum Hinspiel im Zürcher Hardturm, für das bis Mittwochmittag erst 4000 Eintritte abgesetzt worden sind, mit Sicherheit fehlen. Die Trennung scheint beschlossen, ein Transfer ins Ausland (USA oder Emirate) steht bevor.

Personalsorgen hat aber auch St. Gallens Trainer Marcel Koller. Er bangt um die Einsätze von Torhüter Oliver Stöckli und Mittelfeldspieler Sascha Müller, die am vergangenen Samstag beim 4:1 gegen die Young Boys nicht in der Anfangsformation standen. Stöckli verletzte sich im Training die Kuppe am kleinen Finger der rechten Hand und musste den Posten seinem tüchtigen Ersatz Flavio Agosti überlassen. Müller ist Asthmatiker, hat Atemprobleme und spricht die Einsätze jeweils kurzfristig mit dem Trainer und dem Teamarzt ab. «Ich bin aber optimistisch, dass ich auf beide am Donnerstag zählen kann», meint Koller, dem weiterhin die verletzten Abwehrspieler Imhof, Tato und Walker fehlen.

St. Gallen hat sich nach verpatztem Saisonstart mit zuletzt vier Siegen in der Meisterschaft, inklusive dem 3:0-Forfait über Sion, gesteigert. Dank den drei Verstärkungen Chaile, Mokoena und besonders von Di Jorio sind die Ostschweizer wieder erstarkt und haben an Spielfreude und Selbstvertrauen gewonnen. «Unsere Chance für ein Weiterkommen beurteile ich mit 50 zu 50», meint Ionel Gane, der rumänische Stürmer in St. Galler Diensten. Er spielte wohl nie bei Steaua, sondern beim Bukarester Stadtrivalen Dinamo, spricht aber in Ehrfurcht vom einstigen Ceaucescu-Klub: «Steaua ist nicht umsonst Rekordmeister und seit 20 Jahren der Dominator in Rumäniens Liga. Steaua ist der reichste Bukarester Klub und verfügt mit Dumitrescu, Stoica, Trica und dem U21-Internationalen Neaga über exzellente Einzelspieler.» Das ungeschliffene Stürmer-Juwel Neaga war wegen Dopingvergehens für ein Jahr lang für internationale Spiele gesperrt, blieb aber im eigenen Land unbestraft.

In der Qualifikation zur Champions League scheiterte Steaua an Dynamo Kiew (1:1, 2:4), hat sich aber in der nationalen Meisterschaft nach sechs Spieltagen auf Rang zwei vorgearbeitet. Steaua verfügt wie St. Gallen über ein Saisonbudget von 8,2 Millionen Franken, was für die Verhältnisse in Rumänien immens ist. Das monatliche Durchschnittseinkommen beträgt keine 200 Franken.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

St. Gallen: Stöckli; Winkler, Zellweger, Chaile, Dal Santo; Müller, Guido, Mokoena, Di Jorio; Jefferson, Gane.

Steaua Bukarest: Lung; Dumitru, Radoi, Baciu, Mitrita; Litas/Stiga, Lincar, Trica, Stoica; Danciulescu, Neaga.

Schiedsrichter: Orrasson (Isl).

(sda)

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