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Fussball: Der SFV-Nationalmannschaftsdelegierte tritt zurück

Glückloser Eugen Mätzler wirft das Handtuch

publiziert: Mittwoch, 21. Jun 2000 / 18:25 Uhr / aktualisiert: Montag, 2. Nov 2015 / 15:09 Uhr

St.Gallen - Eugen Mätzler, Mitglied des Zentralvorstandes des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), Delegierter der Nationalmannschaften und Mitglied des Komitees der Nationalliga, ist mit sofortiger Wirkung von allen Ämtern zurückgetreten. Der 44- jährige St. Galler Anwalt zieht aus seinem laufend geschwundenen Einfluss die Konsequenz.

Als Delegierter der Nationalmannschaften hatte Mätzler nach der Europameisterschaft 1996 in England die Nachfolge von Giangiorgio Spiess angetreten. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt wechselte Mätzler den erfolglosen und unbeliebten Artur Jorge als Nationalcoach ohne Kostenfolge für den SFV aus und verpflichtete Rolf Fringer, den Wunschtrainer des Zentralvorstandes. Unter dem Österreicher verfehlte die Schweiz ebenso die WM-Qualifikation wie unter seinem Nachfolger Gilbert Gress die EM-Teilnahme.

Mätzler kam zusehends unter Druck und schaffte sich mit seiner eigenwilligen Art weder Freunde im Komitee, noch bei den Spielern und im Trainerstab. Die Macht des St. Gallers, der gemäss Pflichtenheft für die Auswahl des Nationalcoachs zuständig ist, zerbröckelte endgültig, als es um die Nachfolge von Gilbert Gress ging. Zentralpräsident Marcel Mathier überwarf sich mit seinem 20 Jahre jüngeren Anwaltskollegen und verpflichtete Enzo Trossero als neuen Teamcoach im Alleingang. Der ehrgeizige Mätzler, dem eine Karriere als Fussball-Funktionär vorschwebte, wurde unglaubwürdig und zog nun vor Ablauf seines Mandats die Notbremse. Erst an der nächsten Delegiertenversammlung im Februar 2001 wäre Mätzlers Mission zu Ende gegangen.

Der ehemalige Interimspräsident des FC St. Gallen, der selbst in der Nationalliga Fussball (St. Gallen, Altstätten, Winterthur) und Handball (Gähwil SG) spielte, macht Platz für den kompletten Neubeginn mit Trossero als neuem Trainer und einem neuen Nationalmannschaftsdelegierten. Dieser sollte möglichst rasch bestimmt werden, da die neue Saison bevorsteht und Enzo Trossero vom 24. bis 26. Juli ein erstes Training der Nationalmannschaft angeordnet hat.

Die Suche nach Mätzlers Nachfolge ist Sache der Nationalliga, die dem Zentralvorstand einen Vorschlag unterbreitet. Der neue Mann muss gemäss Nationalliga-Präsident Ralph Zloczower eine «Persönlichkeit mit Fussball-Verstand, aber kein Techniker» sein. Wen der Berner im Auge hat, wollte er nicht verraten. Es muss aber ein Komiteemitglied der Nationalliga handeln, das ohne den Präsidenten sieben Namen umfasst. Am ehesten scheinen der Neuenburger Uni-Professor Piermarco Zen-Ruffinen oder der ehemalige Sion-Trainer Jean-Claude Donzé für dieses Amt prädestiniert.

(sda)

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