Köbi schmeisst Vogel raus

publiziert: Donnerstag, 8. Mrz 2007 / 12:07 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 8. Mrz 2007 / 14:23 Uhr

Eklat in der Schweizer Nationalmannschaft. Coach Köbi Kuhn verzichtet ab sofort auf seinen bisherigen Captain Johann Vogel. Kuhn bot den 94-fachen Internationalen von Betis Sevilla für das am 20. März beginnende Trainingscamp in den USA mit den beiden Länderspielen gegen Jamaika und Kolumbien nicht auf. Die Trennung scheint sogar endgültig zu sein.

Köbi Kuhn wendet sich von der «Variante Vogel» ab.
Köbi Kuhn wendet sich von der «Variante Vogel» ab.
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Kuhn begründete die Ausbootung Vogels mit seiner Lagebeurteilung der Zeit nach der WM 2006 bis heute.

Der Nationalcoach ist zum Schluss gekommen, «dass die Chemie nicht nur ausserhalb des Spielfeldes, sondern auch auf dem Platz seit längerem nicht mehr stimmt.»

Kuhn: «Ich musste jetzt einen Schnitt machen, denn die Einheit war nicht mehr da. Und nur mit einer starken Einheit können wir gegen grosse Gegner bestehen. Wir haben uns in den letzten Spielen damit selber geschwächt.»

Emotionale Reaktion

Köbi Kuhn informierte Vogel am Mittwochabend telefonisch über seinen Entscheid, den er ganz alleine und ohne Kontakt mit anderen Teamspielern getroffen habe.

Vogel habe sehr emotional reagiert. Aufgrund dieser Reaktion sieht Kuhn kaum noch eine Möglichkeit, dass der Betis-Söldner nochmals in die Nationalmannschaft zurückkehren wird.

Der Nationalcoach wirft seinem verlängerten Arm auf dem Spielfeld vor, dass er auf dem Spielfeld zu wenig Einfluss genommen habe. Nicht nur im spielerischen Bereich, sondern auch bei der Verständigung untereinander und bei der Stärkung des Teamgeistes.

Nötiges Zeichen

«Ein solches Zeichen war für mich jetzt dringend notwendig», sagte Kuhn an einer Pressekonferenz in Bern.

«Ich habe die Aufgabe, ein möglichst kompetitives Team an die EM zu führen. Leider war der Teamgeist in den letzten Spielen gegen Österreich, Brasilien und Deutschland unser grosses Manko. Und dabei müsste eben gerade der Teamgeist unsere grosse Stärke sein. Zwistigkeiten unter den Spielern kann ich nur eine kurze Weile akzeptieren.»

Weitere Spieler könnten folgen

Kuhn schloss nicht aus, dass aufgrund der Ausbootung Vogels noch weitere Spieler von sich aus das Team verlassen könnten.

«Es ist jedem selber überlassen, wie er darauf reagiert. Ich würde natürlich bedauern, wenn beispielsweise Patrick Müller, der ein enger Kollege von Johann Vogel ist, einen solchen Schritt tun würde. Ich erwarte aber von jedem Spieler, dass er sich bei mir meldet, wenn er sich nicht mehr hundertprozentig ins Team einbringen kann.»

Erinnerungen an früher

Der Entscheid von Kuhn rund 15 Monate vor dem Beginn der EM-Endrunde in der Schweiz und Österreich erinnert an frühere Vorfälle. Unmittelbar nach seiner Amtsübernahme hatte Kuhn die drei Stammspieler Stéphane Henchoz, Stéphane Chapuisat und Ciriaco Sforza auf die Ersatzbank gesetzt.

Henchoz und Chapuisat kehrten bald wieder zurück, auf Sforza hatte der Coach danach verzichtet. Noch einschneidender war der Entscheid von Nationalcoach Artur Jorge unmittelbar vor der EM-Endrunde 1996 in England, als der Portugiese Spielmacher Alain Sutter und Topskorer Adrian Knup aus dem Aufgebot kippte.

Vogel vernahm am Tag vor seinem 30. Geburtstag vom Rauswurf. Vor zwölf Jahren, am 8. März 1995, hatte der Genfer sein erstes von 94 Länderspielen bestritten.

(rr/Si)

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