Portrait von «Roi Michel»

Michel Platini: der grosse Abwesende

publiziert: Montag, 30. Mai 2016 / 13:34 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 31. Mai 2016 / 08:55 Uhr
Michel Platini verdiente sich auf dem Weg in die Teppichetage der Verbandspolitik die Sporen ab. (Archivbild)
Michel Platini verdiente sich auf dem Weg in die Teppichetage der Verbandspolitik die Sporen ab. (Archivbild)

Michel Platini hat an vielen Kapiteln der französischen Fussballgeschichte mitgeschrieben. Ein Portrait des gefallenen UEFA-Präsidenten.

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Es hätte die triumphale Rückkehr ins eigene Land sein sollen. Als FIFA-Präsident wollte Michel Platini die EM-Partien von der Ehrentribüne aus an der Seite von Politgrössen und anderen Funktionären mitverfolgen. Nun ist alles anders gekommen. Der 60-Jährige ist innerhalb eines knappen Jahres tief gefallen und hat seine ganzen politischen Ambitionen nach der Bestätigung seiner Sperre durch das Sportgericht CAS in Lausanne begraben müssen.

Der französische Fussballverband hält trotz der Verurteilung zu Platini, möglicherweise wird er als Gast einigen Partien beiwohnen - sofern der frühere Spielmacher dazu Lust hat und dies überhaupt mit seiner Sperre vereinbar ist. In Frankreich hat Platini viele Freunde und Bewunderer, die darüber hinwegsehen, dass alle Instanzen den ominösen Zwei-Millionen-Check von Sepp Blatter als nicht rechtmässig beurteilen.

Anführer des magischen Quartetts

Für viele ist Platini immer noch dieser etwas dürre Lockenkopf, der als Anführer des magischen Quartetts Frankreich in den Achtzigerjahren zweimal in den WM-Halbfinal und 1984 zum EM-Titel führte. An der Seite von Jean Tigana, Luis Fernandez und Alain Giresse sorgte er für Emotionen, die selbst die Nachfolger um Zinédine Zidane nicht überbieten konnten. Mit einer charmanten Naivität stürmte das Frankreich von 1982 im WM-Halbfinal in Sevilla gegen Deutschland nach einer 3:1-Führung in der Verlängerung noch ins Verderben.

Als er 33 Jahre später den nächsten Versuch startete, die Welt zu erobern, scheiterte Platini nicht mehr an seiner Naivität, sondern an einem Übermass an politischer Berechnung. In der kürzlich erschienen Biografie «Platoche» von Jean-Philippe Leclaire, einem Journalisten von «L'Equipe», kommt Platinis früherer Berater William Gaillard zu Wort: «Er ist aus der Spur gekommen, und wir haben es nicht geschafft, ihn zur Vernunft zu bringen.» Konkret wirft Gaillard seinem früheren Boss vor, im Verlauf der Jahre als UEFA-Präsident seinen Enthusiasmus verloren zu haben. Platini habe sich mit der Zeit unverwundbar gefühlt und nur noch seinen Wählern gefallen wollen.

Aufstiegs des Königs

Ins Rampenlicht kam Platini, Sohn von italienischen Einwanderern, Mitte der Siebzigerjahre als Spieler von Nancy, später wechselte er zu Saint-Etienne und nach der WM 1982 zu Juventus Turin. Dort, in der früheren Heimat seiner Eltern, wurde er endgültig zum Star, wurde er zweimal italienische Meister, dreimal Torschützenkönig und gewann 1985 den Meistercup. «Le Roi Michel» nannte man ihn bei Juventus. Sein Trainer Giovanni Trapattoni sagte: «Er ist ein Genie, geboren, um Fussball zu spielen.» Dreimal erhielt er den «Ballon d'Or».

Turin verliess er nach seinem Rücktritt 1987 mit einem Ferrari Testarossa, den er vom Juve-Patron Gianni Agnelli überreicht bekommen hatte. Bald verschenkte er den Luxuswagen einem Museum. Michel Platini war während seiner Zeit als Spieler ein Mann des Volkes, eine Identifikationsfigur, die ihre Zeit mehr prägte, als es spätere Fussballstars schafften. An einige seiner Freistösse, eine seiner grossen Spezialitäten, erinnern sich Fans noch heute, etwa an jenen, der im EM-Final 1984 gegen Spanien zum 1:0 führte. Es war sein neunter Treffer im Turnier.

Dass er nur etwas mehr als ein Jahr nach seinem Rücktritt Nationaltrainer wurde, erstaunte nicht. Nach der verpatzten EM 1992 trat er zurück und bedauerte später, dass man an der Seitenlinie nur einen beschränkten Einfluss hat. Seine Handlungsmöglichkeiten bei der UEFA waren dann deutlich grösser, und er machte davon zu Beginn durchaus sinnvoll Gebrauch. Dass die Meister der kleineren Länder bessere Chancen haben, in die Champions League einzuziehen, ist ihm zu verdanken.

Fall des Präsidenten

Auf dem Weg in die Teppichetage der Verbandspolitik verdiente er sich die Sporen ab. Er wusste zwar seinen ruhmreichen Namen zu nutzten, um alles etwas zu beschleunigen, aber als Quereinsteiger konnte man ihn nicht bezeichnen, als er 2007 das UEFA-Präsidium in einer Kampfwahl gegen Amtsinhaber Lennart Johansson eroberte. Dank dem Support vom damaligen französischen Präsidenten François Mitterand kam er ins Organisationskomitee für die WM 1998, und nach dem Turnier wurde er bei der FIFA Berater von Sepp Blatter.

Der stetige Aufstieg nahm in den letzten Monaten ein abruptes Ende, auch weil ihm als Funktionär offenbar das misslang, was er als Spieler noch geschafft hatte: sich ein gewisses Mass an Bescheidenheit zu bewahren. Geprägt vom Führungsstil von Blatter riss er bei der UEFA zunehmend die ganze Macht an sich und ersetzte die kritischen Personen durch Ja-Sager, behauptet Gaillard. Der weise König war zum machthungrigen Präsidenten geworden.

(arc/Si)

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