Start in die Rückrunde

Münchner Powerplay in der Bundesliga

publiziert: Freitag, 22. Jan 2016 / 08:38 Uhr
Die Bayern sind in der Bundesliga das Mass aller Dinge.
Die Bayern sind in der Bundesliga das Mass aller Dinge.

Bayerns vierter Bundesliga-Titelgewinn in Serie ist für das Gros der Experten eine Frage der Zeit. Um die Existenz kämpfen die üblichen Verdächtigen - und Hoffenheim.

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FC Bayern MünchenFC Bayern München
Borussia DortmundBorussia Dortmund
In München sind sie in sportlicher Hinsicht weitgehend sorgenlos. Auf dem Rasen funktionierte nahezu alles nach Guardiola-Plan. Im eigenen Stadion stand im Normalfall nur die Höhe des Siegs zur Debatte. Vermeintlich direkte Konkurrenten wie Dortmund und der VfL Wolfsburg degradierten die Bayern zu ratlosen Statisten.

Selbst die erwartete Ankündigung von Pep Guardiola, den Klub nach drei national vorwiegend erfolgreichen Jahren in Richtung England zu verlassen, löste relativ wenig negative Schwingungen aus. Der prominente Nachfolger Carlo Ancelotti steht im Sommer bereit. Und der katalanische Projektmanager wird alle taktischen Winkelzüge ausspielen, sein Bayern-Werk auf dem Höhepunkt zu übergeben.

Hohe Erwartungshaltung

Im deutschen Klubfussball herrschen «Pariser» Verhältnisse, Bayern kontrolliert das Tagesgeschäft nach Belieben. Der Umsatzriese ist auf allen Ebenen entrückt. Ein Ende der Regentschaft bahnt sich nicht an. Im Gegenteil: Die mächtige Führungscrew des Rekordmeisters setzt die weitgehend chancenlosen Herausforderer und auch das Bundesliga-Management weiter unter Druck. An der Säbener Strasse ist die Erwartungshaltung im Poker um die ab 2017 neu aufgesetzten TV-Verträge hoch. Jeder Betrag unterhalb der Milliardenschwelle sei zu wenig und Grund genug, die zentrale Vermarktung infrage zu stellen.

Und die Münchner Macher dehnten ihr verbales Powerplay noch aus. Karl-Heinz Rummenigge dozierte an der «Università Commerciale» in Italien über eine mögliche Zukunft in einer europäischen Eliteklasse. Im Hinterkopf hat der Vorstandschef vor allem höhere TV-Renditen. Noch sind es Gedankenspiele, noch sind selbst die europäischen Giganten auf ihren Heimmarkt angewiesen.

BVB-Bekräftigungen

Im langen Schatten der Münchner will sich Borussia Dortmund im ersten Jahr unter dem Taktiker Thomas Tuchel wieder unter den Top 3 etablieren. Die englischen Avancen auf sein Tafelsilber blockte der BVB energisch ab. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bekräftigte die eigene Vorwärtsstrategie gegenüber deutschen Medien: «Ich kann komplett ausschliessen, dass wir einen unserer Leistungsträger abgeben.»

Die einen verhinderten Abgänge, andere legten im personellen Sektor nach. Gegen 30 Millionen Euro investierten zehn der 18 Klubs in neue Hoffnungsträger - oder korrigierten Fehler der letzten Transferperiode. Im Vergleich zum Vorjahr hielten sich die Sportchefs indes zurück. Champions-League-Achtelfinalist Wolfsburg beispielsweise, im vergangenen Winter der eigentliche Hauptumschlagplatz, verkaufte Timm Klose, investierte aber keinen weiteren Euro mehr. Wegen der schweren wirtschaftlichen Turbulenzen in der VW-Zentrale ist der Handlungsspielraum der VfL-Macher kleiner als auch schon.

Schalker Flirt mit Inler

Zum erweiterten Kreis der Ambitionierten gehören neben dem überraschenden Hertha Berlin weiterhin Schalke, Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach, das nach dem epochalen Fehlstart und dem überraschenden Rückzug der langjährigen Leitfigur Lucien Favre unter dem bei St. Pauli einst gescheiterten Nothelfer André Schubert ein imposantes Comeback inszenierte.

Jeder der ersten Bayern-Verfolger will sich einen direkten Zugang zur Cash-Pipeline der UEFA, sprich zur Champions League, verschaffen. Schalke benötigt die Geldzufuhr. Die Knappen stimmten sich im US-Disney-Land auf neue Rückrunden-Abenteuer ein. Der abtretende Sportchef Horst Heldt flirtete im Stil unbegrenzter Möglichkeiten mit halb Europa - besonders intensiv mit dem in Leicester vorwiegend überzähligen Gökhan Inler, bis die Gespräche scheiterten und der enttäuschte Berater des Schweizer Nationalmannschafts-Captains Details der Schalker Verhandlungsstrategie dem Fussball-Chef eines Zürcher Medienhauses vorlegte.

Schweizer Spektrum gross

Die Aussichten der Schweizer Fraktion sind sehr unterschiedlich. Nur ein kleiner Teil der 22 Professionals auf dem SFV-Radar hat eine positive Bilanz vorzuweisen. Fabian Lustenberger brilliert mit der Hertha seit Monaten; Valentin Stocker gehört im spektakulären Ensemble nur zur zweiten Reihe. Der Dortmunder Keeper Roman Bürki zählt ebenso zur Gilde der Spitzenplatzanwärter wie Granit Xhaka. Unter Umständen bereitet sich der zunächst gesperrte Gladbacher Leader auf sein letztes halbes Jahr am Niederrhein vor. In England kursieren Spekulationen, der Mittelfeldspieler unterschreibe in den kommenden Monaten einen Vertrag in London. «Das Interesse ehrt mich, aber Gerüchte kommentiere ich nicht», stellte Xhaka gegenüber der Nachrichtenagentur sda klar.

Am Ende der (Tabellen-)Skala steckt das Trio Fabian Schär, Pirmin Schwegler und Steven Zuber fest. Ob Hoffenheim in der Lage sein wird, dem Schlamassel in den nächsten 17 Spielen zu entkommen, bleibt abzuwarten. Die Nervosität an der Fussball-Zweigstelle der Milliardärs-Familie Hopp ist grösser denn je. Zweimal gelang Huub Stevens in Stuttgart der Ligaerhalt in letzter Minute, nun steht der niederländische Grantler auf Zeit abermals am Abgrund.

Die nächsten Spiele:
Freitag, 20.30 Uhr: Hamburger SV - Bayern München.
Samstag, 15.30 Uhr: Köln - VfB Stuttgart. Hannover - Darmstadt. Hertha Berlin - Augsburg. Hoffenheim - Bayer Leverkusen. Ingolstadt - Mainz. - 18.30 Uhr: Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund.
Sonntag, 15.30 Uhr: Eintracht Frankfurt - Wolfsburg. - 17.30 Uhr: Schalke - Werder Bremen.

(bg/Si)

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