«Pfiffe der Fans machen mich wütend»
publiziert: Donnerstag, 3. Jun 2010 / 09:35 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 3. Jun 2010 / 17:27 Uhr

Tranquillo Barnetta wird nach seiner Leistung gegen Costa Rica in den Medien heftig kritisiert. Er kann die Verärgerung der Öffentlichkeit teilweise nachvollziehen, zeigt sich aber schwer enttäuscht über die schnellen Pfiffe der Fans.

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Si: In den Tagen vor und während der WM 2006 war die Schweizer Nationalmannschaft von einer riesigen Euphorie-Welle getragen worden, nun wurde das Schweizer Team nur zehn Tage vor dem WM-Beginn in Südafrika ausgepfiffen. Können Sie das nachvollziehen?

Tranquillo Barnetta: «Es ist halt schon etwas schwierig für die Fans, alles zu verstehen. Sie wollen kurz vor der WM Spektakel sehen. Wenn wir nicht gerade gegen Brasilien spielen, wird ein Sieg verlangt. Nicht alle sehen die harte Arbeit der letzten Tage. Wenn wir aber nach einem guten Beginn bereits bei den ersten Fehlpässen ausgepfiffen werden, macht mich das schon etwas wütend. Es wäre schön, wenn wir auch in diesen Spielen von den Fans getragen würden wie 2006.»

Si: Sie selber wurden für Ihre Leistung hart kritisiert. Wie erklären Sie sich, dass Sie seit bald zwei Jahren im Nationalteam unter Ihren, im Klub gewohnten, Möglichkeiten bleiben?

Barnetta: «Mir fehlt seit zwei Jahren ein Tor, dann wäre ich sicher etwas ruhiger. Ich habe in der Nati bestimmt nicht immer gut gespielt, aber das habe ich auch im Klub nicht. Im Verein bekommt man jedoch sofort die Chance, eine schlechte Leistung im nächsten Spiel zu korrigieren. Mit der Nationalmannschaft dauert es oft viel länger, bis wieder ein Spiel ansteht.»

Si: Gegen Costa Rica kassierte die Schweiz die dritte Niederlage in Folge. Was muss bis zur WM noch besser werden?

Barnetta: «Wir müssen mehr rochieren auf den Positionen und flexibler nach vorne spielen. Unser Ziel muss es sein, unberechenbarer zu werden, und das können wir vor allem erreichen, wenn wir die Positionen öfters wechseln. Zudem sollten wir auch schneller den Weg zum Tor suchen und den Abschluss vielleicht auch einmal mit einem Weitschuss anstreben. Vor allem mit diesem Ball.»

Si: Nun steht das letzte Testspiel gegen Italien an. Da könnte es schwierig werden, Selbstvertrauen zu tanken?

Barnetta: «Wir haben schon vor früheren Turnieren zuletzt gegen einen grossen Gegner gespielt. Das wird ein absoluter Härtetest. Ich denke aber, dass es nichts bringt, gegen einen sogenannt kleinen Gegner Selbstvertrauen zu tanken. Wir müssen gegen starke Gegner gut spielen, das bringt Selbstvertrauen.»

(René Baumann/Si)

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