Türkischer Überlebensinstinkt

publiziert: Samstag, 21. Jun 2008 / 14:58 Uhr

Die türkische Nationalmannschaft ist auf die «Mission impossible» spezialisiert. Am Freitag siegte sie zum dritten Mal in Folge dank späten Toren und nach einem Rückstand.

Hamit Altintop: «Es gibt keinen Grund nervös zu werden, egal, wie der Gegner heisst.»
Hamit Altintop: «Es gibt keinen Grund nervös zu werden, egal, wie der Gegner heisst.»
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Nach dem vermeintlichen kroatischen Siegtor von Ivan Klasnic in der 119. Minute wirkten die türkischen Spieler nur für Sekunden wie gelähmt. Einige lagen für ein paar Augenblicke regungslos auf dem Boden.

Nichts deutete auf eine Wende hin, schliesslich hatten sich die Türken in 120 Minuten nur selten vor das gegnerische Tor gespielt. Doch es kam wie in den letzten Tagen immer: Obwohl selten spielerisch überzeugend gehörte das letzte Wort den Türken.

«Ich habe einige unserer Spieler auf dem Rasen liegen gesehen», berichtete Terim nach dem Spiel. «Ich habe ihnen gesagt, dass sie den Ball gefälligst aus dem Netz holen sollen. Ich hatte noch nicht aufgegeben.»

Paralysierte Tschechen

Gegen Tschechien führte Stürmer Nihat mit Toren in der 87. und 89. Minute erst in den Schlussmomenten die Wende herbei, gegen Kroatien war der türkische Torschützenkönig Semih Sentürk mit seinem Ausgleichstor in der 122. Minute der Held.

Die Kroaten wirkten im darauffolgenden Elfmeterschiessen paralysiert, die Türken hingegen voller Selbstsicherheit. Arda Turan, Semih Sentürk und Hamit Altintop trafen ohne Probleme.

Glück und Siegeswille

«Der Trainer lässt nicht zu, dass wir den Kopf hängen lassen», nannte der gebürtige Engländer Kazim eine der Ingredienzen des türkischen Erfolgsrezepts.

Der Coach, der nach dem ersten Spiel gegen Portugal für seine taktischen Entscheide scharf kritisiert worden war, überzeugt als Motivator. Er schaffte es in den Gruppenspielen gegen die Schweiz und Tschechien sein Team aus der Lethargie zu holen. Sein sowieso nicht bescheidenes Selbstvertrauen hat dadurch neue Höhen erreicht. Den Halbfinal gegen Deutschland kündigte er als «Kampf der Giganten» an.

Gigantisch war die Türkei bislang nur in ihrer Einstellung. Spielerisch konnte sie bislang kein einziges Mal richtig überzeugen. Es war eine Mischung aus Glück und Siegeswille, die die Mannschaft bislang im Turnier hielt. Von einem weiteren Wunder schrieben zahlreiche türkische Zeitungen nach dem ersten EM-Halbfinal-Einzug bezeichnenderweise. Mit jedem Wunder wird die Überzeugung, der grosse Coup könnte gelingen, aber grösser.

Der «komplizierteste Weg»

Im Halbfinal gegen die Türkei wird Terim nicht nur als Motivator gefragt sein. Einfallreichtum bei der Zusammenstellung der Mannschaft ist ebenfalls gefordert. Zahlreiche Spieler sind verletzt oder gesperrt. Arda, Tuncay, Emre Asik und Volkan werden für das Spiel gegen Deutschland gesperrt nicht auflaufen können. Und zumindest Servet wird weiterhin verletzungsbedingt passen müssen.

Für Terim kein Problem: «Wir nehmen stets den kompliziertesten Weg, aber wir erreichen das Ziel. Die Leute werden sich in der Zukunft an das erinnern, was wir getan haben.» Der Halbfinal werde jedenfalls ein Hit. «Es gibt keinen Grund nervös zu werden, egal, wie der Gegner heisst», sagt Hamit Altintop. «Es ist wichtig, dass wir an uns glauben.» Was nach einer abgedroschenen Phrase tönt, ist bei den Türken eine Spielphilosophie.

(bert/Si)

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