Zwei gefährliche Aussenseiter jagen Favoriten-Duo

publiziert: Dienstag, 3. Jun 2008 / 08:38 Uhr

In der Gruppe A gibt es auf dem Papier eine klare Hierarchie: Tschechien (Nr. 6 im FIFA-Ranking) und Portugal (9) sind favorisiert, die Türkei (23) und Gastgeber Schweiz (46) nur Aussenseiter.

Cristiano Ronaldo ist der unbestrittene Star der Gruppe A.
Cristiano Ronaldo ist der unbestrittene Star der Gruppe A.
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Vor vier Jahren in Portugal spielten Portugal und Tschechien bis fast zuletzt um den Titel mit, nur Europameister Griechenland hinderte Portugal und Tschechien am grossen Triumph.

Für die Tschechen bildeten die Griechen im Halbfinal, für Gastgeber Portugal gar erst im Final Endstation aller Träume. Auch dieses Jahr scheinen die Portugiesen gegenüber den Tschechen die Nase leicht vorne zu haben.

Dank der Gastgeberrolle will aber auch die Schweiz und als gefährlicher Aussenseiter die Türkei ein Wort um die Verteilung der Viertelfinal-Tickets mitreden. Die prozentuale Einschätzung auf eine Viertelfinal-Qualifikation sieht wie folgt aus:

Portugal: Chance 60 Prozent

Auch wenn die Qualifikation wenig überzeugend war - es gab keinen Sieg gegen einen direkten Konkurrenten -, so gehören die Portugiesen zum engeren Favoritenkreis um dem EM-Titel.

Sie standen im Final vor vier Jahren und im WM-Halbfinal vor zwei Jahren; dazu wurde Portugal in Deutschland als «unterhaltendstes Team» ausgezeichnet. Beide Male hatte sie der brasilianische Weltmeister-Coach Luiz Felipe Scolari so weit geführt. Der charismatische 59-Jährige tritt vor der EURO keinesfalls bescheiden auf. «Das Volk erwartet den Titel - wie ich», verkündete er im Vorfeld.

Die Auswahl der Portguiesen ist durchaus prominent besetzt. Scolari leistete sich gar den Luxus, auf Maniche zu verzichten, der an der WM noch der beste Torschütze seiner Mannschaft gewesen war.

«Filipao», wie Scolari in Portugal genannt wird, setzt auf die jungen Spieler: Joao Moutinho, Miguel Veloso oder Nani sind erst 22-jährig, haben aber in ihren Vereinen bereits wichtige Rollen.

Über allen steht jedoch Cristiano Ronaldo. Um den 23-jährigen Star von Manchester United dreht sich alles im portugiesischen Team. Seine Tore braucht die Mannschaft, will sie erstmals einen grossen Internationalen Titel gewinnen.

Tschechien: 50 Prozent

Die Rücktritte von Karel Poborsky und Pavel Nedved nach der WM 2006, das verletzungsbedingte Fehlen von Spielmacher Tomas Rosicky und das langandauernde Formtief von EM-Torschützenkönig Milan Baros sorgen beim Halbfinalisten von 2004 dafür, dass die EM-Ziele weniger hoch als üblich angesetzt sind.

Selbst die Viertelfinal-Qualifikation ist für den Finalisten von 1996 keine Selbstverständlichkeit mehr. Die souveräne EM-Qualifikation als Gruppenerster vor dem WM-Dritten Deutschland zeigte aber, dass mit dem Team von Erfolgscoach Karel Brückner (68) auch an dieser EM wieder gerechnet werden muss.

Nur fünf Gegentore hat Tschechien in der Qualifikation einstecken müssen. Kein anderer EM-Teilnehmer war defensiv erfolgreicher. Die Abwehr mit Chelseas Goalie Petr Cech hinter der in der italienischen Serie A erprobten Verteidigungs-Linie mit Zdenek Grygera (Juventus Turin), Tomas Ujfalusi (Fiorentina), David Rozehnal (Lazio Rom) und Marek Jankulovski (AC Milan) ist das Prunkstück der Tschechen.

Und vorne im Sturm will Riese Jan Koller (54 Tore in 87 Länderspielen) seine internationale Karriere mit einem letzten grossen Auftritt beenden. Die grosse Frage ist einzig: Wer vermag die spielgestalterische Lücke von Rosicky im Zentrum zu schliessen?

Schweiz: 45 Prozent

Trotz wenig verheissungsvoller Resultate in der zweijährigen Testspielphase, und obwohl die Schweiz an einer EM noch nie über die Vorrunde hinauskam, sind die Ziele der SFV-Auswahl hoch. In den letzten Partien deuteten die Schweizer zumindest an, dass sie wieder jener unangenehme Gegner sein können, der sie an der WM gewesen waren.

Wie stabil die Defensive ist, wird jedoch primär von der Form Patrick Müllers abhängen. Und im Angriff ist die Schweiz auf die Tore von Alex Frei angewiesen. Johan Vonlanthen, Velon Behrami und Tranquillo Barnetta können dem besten Schweizer Torschützen gute Adjundanten sein.

Kuhn vertraute bei der Selektion des Kaders vor allem auf Spieler, die ihn während seiner sieben Jahre als Nationalcoach während längerer Zeit begleiteten.

Ungebliebte Störefriede sortierte er konsequent aus (Johann Vogel als letztes Beispiel), dafür baute er aufstrebende junge Spieler ein wie Gelson Fernandes, die an der WM noch keine Rolle gespielt hatten. Die ambitionierte Einstellung («Wir wollen Europameister werden») und der Heimvorteil könnten der Auswahl von Köbi Kuhn diesmal tatsächlich zum Vorteil gereichen.

Türkei: 45 Prozent

Im Umfeld der türkischen Nationalmannschaft gilt die vornehme Zurückhaltung nicht. Die «Milli Takim» lässt die Herzen im eigenen Land höher schlagen und die Zielsetzungen fast ins Unermessliche steigen.

Nationalcoach Fatih Terim kennt den öffentlichen Anspruch: «Das Volk erwartet von der Nationalmannschaft das Höchste.» Vor diesem Hintergrund ist Terims Botschaft nicht überraschend: «Wir wollen nach Wien kommen.»

Während rund zehn Tagen bereitete sich die Türkei mit drei Testspielen gegen die Slowakei (1:0), Uruguay (2:3) und Finnland (2:0) in Deutschland auf die EURO vor. In diesen Partien offenbarte die Auswahl vor allem defensiv diverse Unsicherheiten.

Die Innenverteidiger sind nicht ausgesprochen beweglich, bei Keeper Volkan folgt einer Weltklasse-Parade nicht selten eine Slapstick-Einlage. Offensiv haben die Türken indes einiges zu bieten.

Im Zentrum des Mittelfelds hält der gebürtige Brasilianer Aurelio Spielermacher Emre Belözoglu den Rücken frei. Emre vereint wichtige Elemente: Leidenschaft, Übersicht, Speed. Wer ihn und den Flügel-Sprinter Tuncay nicht kontrollieren kann, gerät in Schwierigkeiten.

(rr/Si)

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