Euro 2012

Ein halbes Lächeln von Buffon muss genügen

publiziert: Sonntag, 1. Jul 2012 / 12:45 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 1. Jul 2012 / 14:45 Uhr
Gianluigi Buffon: «Lachen können wir, wenn wir den Titel haben.»
Gianluigi Buffon: «Lachen können wir, wenn wir den Titel haben.»

Gianluigi Buffon ist ein Monument des Calcio. Deshalb kann sich der 34-jährige Keeper in Italien fast alles erlauben. Diese Narrenfreiheit nimmt manchmal bizarre Formen an.

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Antonio Cassano trug freudestrahlend seinen Sohn Christopher über den Rasen. Mario Balotelli eilte zur Tribüne und umarmte seine Mutter Silvia. Einige Reihen weiter oben stand Alena Seredova mit einem ihrer Söhne im Arm und winkte in die Kameras. Sie aber blieb alleine. Ihr Liebster, Italiens Torhüter und Captain Gianluigi Buffon, hatte sich nach dem Schlusspfiff nämlich sofort in die Kabine verdrückt. Beim grossen italienischen Jubel über den Halbfinalsieg gegen Deutschland fehlte er. Denn «Gigi Nazionale» war verärgert.

Soeben hatte seine Mannschaft den EM-Final erreicht. Keine Selbstverständlichkeit für die vor dem Turnier tagelang vom Wettskandal geschüttelte Squadra. Also warum so wütend, Gigi? «Ich kann nicht verstehen, dass wir so sehr leiden mussten in den letzten fünf Minuten. Man hat nicht alle Tage die Gelegenheit, in einen EM-Final zu kommen. Wir aber spielten mit dem Feuer.» Buffon sprach die vielen Chancen zum 3:0 an, welche die Italiener zwischen der 75. und 90. Minute leichtfertig vergeben hatten. «Wir hätten die Partie einfacher zu Ende bringen müssen.»

Als Buffon diese Worte sprach, blickte er finster in die Kameras. Er sah nicht aus, wie einer, der gerade den EM-Final erreicht hatte. Aus dem Studio in Rom forderten sie ihren Gigi auf, wenigstens einmal der glücklichen Nation zuzulächeln. Ein wenig zog Buffon darauf die Mundwinkel nach oben, aber nicht zu sehr. «Wir sind im Final, das ist grossartig. Aber gewonnen haben wir noch nichts. Lachen können wir, wenn wir den Titel haben. Jetzt muss ein halbes Lächeln genügen.»

Die schlechte Laune von Gigi Buffon ist in diesen EM-Tagen Programm. Alles fing an mit der Razzia der Carabinieri Ende Mai im Trainingszentrum von Coverciano. Buffon fand den Einsatz wegen des Wettskandals übertrieben - und befeuerte das Misstrauen gegenüber den Spielern gleich selbst mit ein paar unbedarften Äusserungen («Manchmal sind zwei Verletzte besser als ein Toter»). Kurz darauf wurde bekannt, dass Buffon bei Sportwetten Millionen einsetzte. Die Nation, die unter der Wirtschaftskrise ächzt, schüttelte den Kopf über das Verhalten dieses Jung-Millionärs.

Dabei ist Buffon eigentlich überaus populär im Land. Er ist eine Institution. Vor einem Jahr hielt er eine Rede vor hochrangigen Politikern. Darauf sagte Staatspräsident Giorgio Napolitano: «Buffon könnte Karriere als Politiker machen. Er hat Charisma, kann Leute in seinen Bann ziehen und macht sich Gedanken über die Probleme unserer Zeit.»

Buffon ist tatsächlich nie um eine pointierte Aussage verlegen. Eloquent ist er ja, was man nicht ahnen konnte, als er 1997 nach seinem Nationalmannschaftsdebüt gegen Russland schüchtern und stotternd ein erstes TV-Interview gab. Fremdschämen lag da näher als in den Bann gezogen zu werden, von dem Mann, welcher dereinst ein Monument des Calcio werden sollte. Weil er alles erlebt hat im Fussball, wenige Monate nach dem WM-Titel spielte er zum Beispiel mit Juventus nach dem Zwangsabstieg in der Serie B, sieht er sich legitimiert, alles zu kommentieren und im grossen Rahmen seine Show abzuziehen.

Schon jetzt ist seine Schmähschrift auf Facebook legendär, in welcher er wegen des gefürchteten Päcklis von Spaniern und Kroaten, die italienische Mentalität anprangerte. «Diese Stimmung von Misstrauen und die Suche nach Schuldigen bei den anderen sind unhaltbar. Es ist die Mentalität der Mittelmässigkeit und der Verlierer», schmetterte er dem Volk an den Kopf.

Als Buffon angesprochen wurde, ob der Wettskandal das Nationalteam zu grossen Leistungen anstacheln werde, wie es vor sechs Jahren auf dem Weg zum WM-Titel der Manipulationsskandal getan hatte, winkte Buffon ab. «Es soll mir keiner damit kommen, dass wir gut sind wegen diesem Skandal. Das ist nur eine Geschichte für die Medien. Und diesmal werde ich nicht dulden, dass diejenigen, die uns jetzt in den Dreck ziehen, nach dem allfälligen Titelgewinn auf den Triumphzug aufspringen wie 2006.»

Vielleicht ist es tatsächlich so, dass es Buffon um mehr geht als nur um Fussball. Es geht ihm wohl um ein positives Bild, das transportiert wird. Um ein tadelloses Verhalten. Um Ehre. Schweiss, Blut und Tränen. Deshalb denkt er bei der Nationalhymne auch an seine Urgrossväter, welche im 1. Weltkrieg für ihr Vaterland starben. Wer sieht, mit welcher Inbrunst Buffon die Nationalhymne mitsingt, der ist sogar sicher, dass es so ist.

(pad/Si)

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