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Gernot Rohr blickt hinter Gabuns Kulisse
publiziert: Mittwoch, 25. Jul 2012 / 16:04 Uhr
Gernot Rohr: «Gabun ist ein Team ohne Hang zur Selbstinszenierung.»
Gernot Rohr: «Gabun ist ein Team ohne Hang zur Selbstinszenierung.»

Gernot Rohr kennt Gabun im Detail. Der deutsch-französische Coach betreute bis im Frühling die Nationalmannschaft der Zentralafrikaner und kümmerte sich auch intensiv um die Entwicklung des ersten Schweizer Olympia-Gegners.

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Als wundersam mag Rohr die erstmalige Olympia-Qualifikation Gabuns nicht bezeichnen. Sie hätten im vergangenen November die Vorrunde mit Glück überstanden, erinnert er sich. «Im Halbfinal und im Final wurden wir extrem unterschätzt.» Senegal und Gastgeber Marokko, im Vergleich zum Mini-Staat mit nur knapp 1,5 Millionen Einwohnern Fussball-Giganten, fanden gegen den krassen Aussenseiter kein Mittel.

«Gabun ist ein Team ohne Hang zur Selbstinszenierung. Die Spieler sind motiviert und seriös genug, ihr Ego nicht über das Kollektiv zu stellen.» Rohr befürchtet nicht, dass die Equipe von Claude Mbourounot vor der europäischen Galerie von ihrer Spielweise abrücken wird: «Sie sind gut geschult und hatten in ihren Stammklubs schon früh viel Verantwortung zu tragen. Oft rücken sie schon mit 16 oder 17 ins Kader der Erstligisten vor. 50 Prozent haben zudem bereits erste Erfahrungen im A-Nationalteam gesammelt.»

Aubameyang im Blickpunkt

Das Schwergewicht der Equipe ist zweifelsfrei Pierre-Emerick Aubameyang. Der 23-jährige Stürmer besitzt das Potenzial zur bedeutenden Karriere. In St-Etienne geniesst er nach 15 Treffern in der vergangenen Ligue-1-Saison einen Sonderstatus. Als Junior spielte er für die AC Milan - sein Vater arbeitete als Scout für die Italiener.

Rohr, in Bordeaux einst der Mentor von Zinédine Zidane, hält unheimlich viel von Aubameyang: «Er ist einer der schnellsten Stürmer, mit dem ich je gearbeitet habe. Nach vielen Wechseln hat er in St-Etienne sein Glück gefunden.» Ein ähnlich hohes Niveau attestiert er Gabuns Regisseur Lévy Madinda: «Er besitzt alle nötigen Qualitäten. Weshalb er bei Celta Vigo nur im B-Team spielt, ist mir ein Rätsel.»

Sportminister war federführend

Gefördert wurde das bislang erfolgreiche Projekt in erster Linie von René Ndemezo Obiang. Der langjährige Sportminister und frühere Fussball-Spieler stellte die finanziellen Ressourcen bereit. «In Gabun werden die Coaches der Auswahlen vom Staat bezahlt. René hat auch ausserhalb des Verbandes enorm viel bewirkt und neue Ausbildungszentren finanziert, wo französische Experten tätig sind. Die Jugendarbeit ist exzellent.»

Der ehemalige YB-Trainer denkt, dass sich auch die strengeren Visa-Vorschriften positiv auswirken, wonach ausländische Klubs keinen unter 18-jährigen Afrikaner ohne Familiennachzug mehr engagieren dürfe. «So werden die jungen Talente nicht mehr einfach entwurzelt und später ihrem Schicksal überlassen.» Das habe auch zur Folge, dass sich die Einheimischen spürbar mehr um die Ausbildung ihrer Hoffnungsträger kümmern müssten.

Ndemezo Obiang ist inzwischen nicht mehr im Amt. Ganz unberührt von den politischen Veränderungen am Regierungssitz ist offenbar auch die Olympia-Kampagne nicht geblieben. «Im Umfeld der Nationalmannschaft tauchten plötzlich Leute auf, die ich zuvor nie gesehen habe und mischten sich ein», meldet Rohr aus Cap Ferret. Auch deshalb endete sein persönliches Engagement in Zentralafrika früher als gewünscht.

Widersprüchliche Aussagen

Die neuen Entscheidungsträger haben in den letzten Tagen vor dem Olympia-Auftakt gegen die Schweiz in Newcastle suboptimal operiert. Bruno Ecuele figurierte bis 24 Stunden vor dem Startspiel auf der offiziellen Teamliste, obschon für den 24-jährigen Abwehrchef die Freigabe des Ligue-1-Klubs Lorient nicht vorlag. Erst nach zunächst widersprüchlichen Aussagen bestätigte «Fégafoot» am Mittwochmorgen endgültig: «Ecuele ist nicht dabei. Wir haben im Moment nicht 18 Spieler.»

(bg/Si)

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