Handlungsbedarf bei der FIFA
Maurer ruft zu Reformen auf
publiziert: Donnerstag, 28. Mai 2015 / 16:57 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 28. Mai 2015 / 19:42 Uhr

Bern/Zürich - Einen Tag nach dem gezielten Schlag der Behörden gegen Korruption bei der FIFA hat sich auch die Politik in die Geschehnisse eingeschaltet. Bundesrat Ueli Maurer rief den Weltfussballverband zu Reformen auf - und nahm gleichzeitig Präsident Sepp Blatter in Schutz.

6 Meldungen im Zusammenhang
Die FIFA muss sich nach Ansicht von Sportminister Maurer grundlegend reformieren. Es bestehe nach den Festnahmen von Funktionären am Mittwoch in Zürich Handlungsbedarf. «Die FIFA ist nicht glaubwürdig, der Verband ist aus der Balance geraten.»

Der Druck für Reformen werde zunehmen, sagte Maurer am Donnerstag anlässlich eines Podiumsgesprächs am Swiss Media Forum in Luzern. Die Reformen müssten auf allen Ebenen greifen. Ob der Weltfussballverband dazu die Kraft habe, werde sich weisen.

Es gehe nicht an, FIFA-Präsident Blatter zum Sündenbock zu stempeln, sagte Maurer. Es dürfe nicht vergessen werden, dass Blatter Hervorragendes für den Fussball geleistet habe, nicht zuletzt mit Blick auf seine Initiativen zugunsten der Jugendlichen weltweit.

Am Abend sprach Maurer auch vor den versammelten FIFA-Kongressmitgliedern. Er unterstrich, dass die Schweiz jede Form von Korruption ablehne. Für die FIFA könnten die Vorkommnisse aber auch positiv sein - nämlich dann, wenn die Organisation aus den Fehlern lerne und künftig Transparenz herstelle.

Fabius will Präsidentenwahl verschieben

Auch Aussenminister Didier Burkhalter äusserte sich am Donnerstag indirekt zur Affäre. «Dieser Fall könnte die internationalen Sportverbände verändern, vielleicht sogar die Welt des Sports», sagte er am Rande einer Pressekonferenz mit seinem italienischen Amtskollegen Paolo Gentiloni.

Der Kampf gegen Korruption sei «eine Chance und eine Pflicht» in allen Bereichen der Gesellschaft, sagte Burkhalter. «Man wird sehen, wie es weitergeht.» Der Sport sollte aber auf alle Fälle nicht pauschal verurteilt werden. Gentiloni sprach von einem heftigen Rückschlag für das Image des Fussballs.

Regierungsvertreter anderer Länder reagierten weniger zurückhaltend. Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius sprach sich für eine Verschiebung der auf Freitag angesetzten Präsidentenwahl des Fussballweltverbands aus.

Derzeit biete sich ein «desaströses Image». Man sollte sich etwas Zeit nehmen und klären, «was stimmt und was nicht». Fabius' britischer Kollege Philip Hammond sagte, bei der FIFA laufe etwas «zutiefst verkehrt». Der internationale Fussball brauche eine Reform.

Alle Inhaftierten gegen Auslieferung

Auf Ersuchen der US-Justiz waren am Mittwoch sieben hochrangige FIFA-Manager festgenommen worden, darunter zwei Blatter-Stellvertreter. Diese befinden sich in Haft und wehren sich gegen die Auslieferung.

Die Schweiz habe die USA deshalb aufgefordert, für alle sieben Personen innert der vom bilateralen Auslieferungsvertrag vorgesehenen Frist von 40 Tagen formelle Auslieferungsersuchen zu stellen, sagte Folco Galli, Sprecher des Bundesamts für Justiz (BJ), auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die gegen die Fussballfunktionäre erhobenen Vorwürfe wären auch in der Schweiz strafbar, sagte Galli. Es handelte sich dabei um eine Verletzung des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb.

Verfahren könnten dauern

Ob und wann die FIFA-Funktionäre ausgeliefert werden, hängt auch von deren Kooperation ab. Reichen die Betroffenen gegen die Verfügungen des BJ Beschwerden ein, werden das Bundesstrafgericht und allenfalls das Bundesgericht diese Frage abschliessend beurteilen müssen.

Bis dahin bleiben die Fussballfunktionäre in verschiedenen Haftanstalten im Kanton Zürich in Auslieferungshaft. «Wie üblich wird aus Gründen der Sicherheit und des Persönlichkeitsschutzes der genaue Haftort nicht bekanntgegeben», sagte Galli. Die sieben Häftlinge würden gleich behandelt wie alle anderen Insassen.

Wegen Kollusionsgefahr werde der Kontakt unter den inhaftierten FIFA-Funktionären aber unterbunden. Dies gelte bis zum Abschluss des Auslieferungsverfahrens, das bei Ausschöpfung sämtlicher Rechtsmittel erfahrungsgemäss rund sechs Monate dauern könne.

Viele Folgen noch unklar

Die Strafuntersuchung der Bundesanwaltschaft wegen «Unregelmässigkeiten» bei der WM-Vergabe an Russland und Katar läuft unabhängig von jener der US-Justizbehörden. Konkret ermitteln die Bundesanwälte wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung sowie auf Geldwäscherei.

Die Strafuntersuchung richtet sich gegen Unbekannt. Am Donnerstag startete die Bundesanwaltschaft die Befragung von zehn Auskunftspersonen. Laut Sprecher André Marty handelt es sich dabei um zehn Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, die 2010 bereits im Amt waren und nicht in der Schweiz wohnhaft sind.

Welche Folgen eine allfällige Anklage für die Austragung der Fussball-Weltmeisterschaften in Russland 2018 und Katar 2022 haben könnte, konnte die Bundesanwaltschaft nicht sagen. «Dies fällt nicht in unsere Kompetenz», sagte Marty.

Klar ist indessen, dass Topsponsoren der FIFA zunehmend Druck auf den Weltverband ausüben. Die Unternehmen sind zwar nicht direkt von den Korruptionsvorwürfen betroffen, fürchten aber um ihren Ruf. Das Kreditkartenunternehmen Visa mahnte beispielsweise «rasche und sofortige Massnahmen» an, um die Probleme innerhalb der FIFA zu beheben.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese fussball.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Joseph Blatter ist sich bewusst, dass der FIFA keine einfache Zeit bevorsteht.
Einen Tag nach der Verhaftungs- und Durchsuchungsaktion hat Joseph Blatter den 65. FIFA-Kongress in Zürich regulär eröffnet. Der Präsident spricht von «Schande und Beschämung» für den Fussball. mehr lesen
Bern/Paris/London - Bundesrat Ueli ... mehr lesen
Ueli Maurer wird beim Kongress der Schweizer Regierung beiwohnen.
«Entweder hat Blatter die FIFA nicht im Griff, oder er ist - in welcher Form und in welchem Grad auch immer - Teil dieses System und profitiert davon.»
Bern - Am Tag nach der Festnahme ... mehr lesen
Zürich - Zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl ist die FIFA ins Visier der Justiz ... mehr lesen
Die FIFA rückt ins Visier.
Weitere Artikel im Zusammenhang
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Alexander Fransson verlässt den FC Basel in Richtung Heimatklub Norrköping.
Alexander Fransson verlässt den FC Basel in Richtung Heimatklub Norrköping.
Rückkehr nach Schweden  Die Rückkehr von Mittelfeldspieler Alexander Fransson vom FC Basel zum schwedischen Heimatklub IFK Norrköping ist perfekt. mehr lesen 
Die 23 Spieler, die für die Schweiz die WM bestreiten werden, stehen fest.
23 Spieler nominiert  Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir ... mehr lesen  
Neuer Job  Urs Fischer ist neuer Trainer des deutschen Zweitligisten 1. FC Union Berlin. mehr lesen  
Urs Fischer übernimmt den Trainerjob beim 1. FC Union Berlin.
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
Lyon siegte verdient.
Frauenfussball Wolfsburgs Frauen verpassen den Sieg Die Frauen-Equipe des VfL Wolfsburg mit den drei ...
 
News
     
Fussballschuhe sind Hightech-Produkte
Publinews Gute Fussballschuhe sind ein Must-Have für jeden Fussballer  Die Fussballschuhe sind unerlässlich zum Fussballspielen. Jeder Spieler braucht gute Fussballschuhe, trotzdem ... mehr lesen
Schweizer Flagge, Fussball
Publinews Fussballvereine unter Erfolgsdruck  Fussball ist ein Mannschaftssport mit einer grossen Fangemeinde - das ist allgemein bekannt. Seit nunmehr über 100 Jahren erfreut er sich einer beständigen ... mehr lesen
Grenzenlose Liebe und Treue für nicht irgendeinen Fussballverein, sondern den natürlich besten Klub der Welt.
Publinews Fan-Utensilien  Trikot, Schal und Fahne - Die Zeiten scheinen sich wohl nie zu ändern, in denen nicht das klassische Fanartikel-Trio eine ... mehr lesen
Fussball Videos
FIFA World Football Museum  Das FIFA World Football Museum direkt beim ...  
Neue Zeitrechnung für den Nati-Star  Granit Xhaka (23) wechselt zu Arsenal London in die ...  
Drei Mal in Folge «Europa League»-Sieger  Der FC Sevilla gewinnt zum dritten Mal in Folge ...  
Grosse Ehre für «King Claudio»  Wenig überraschend heisst der Trainer des Jahres ...  
Mehr Fussball Videos
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 17°C 30°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 17°C 30°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 16°C 28°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig viele Gewitter wechselnd bewölkt, Regen
Bern 15°C 29°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 17°C 30°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Wolkenfelder, kaum Regen
Genf 18°C 31°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Wolkenfelder, kaum Regen
Lugano 21°C 32°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig viele Gewitter gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten